Jahresabschluss 2018

Ist es nicht unglaublich…schon wieder ist ein Lesejahr vorbei!

Die Vorlesepatinnen und Vorlesepaten trafen sich wieder achtmal zu den Erfahrungsaustauschtreffen mit Frau Evelyn Derenthal in der Zentralbibliothek. Es gab wieder drei Grundseminare und ein Aufbauseminar mit Herrn Klaus Langer. In weiteren drei Grundseminaren wurden 50 interessierte Neueinsteiger geschult, von denen 33 als Lesepaten an Kindertageseinrichtungen vermittelt werden konnten und somit waren 243 Vorleserinnen und Vorleser für „Düsseldorf liest vor“ ehrenamtlich tätig (Stand Oktober 2018).

Von links nach rechts: Evelyn Derenthal- Michaela Hutzheimer-Brigitte Skubinna

Darüber hinaus waren wir anlässlich eines „Airlebnistages“ am Düsseldorfer Flughafen, beim 32. Bücherbummel auf der Königsallee, beim Morbus-Perthes-Tag im Universitätsklinikum und auf dem Hohestraßenfest vertreten und das 10. Düsseldorfer Lesefest konnte mit besonderem Lesungen an einfallsreichen Orten aufwarten.

Herzlichen Dank an alle, die unser Netzwerk auch im 13.Jahr so tatkräftig unterstützt haben. So kann es gerne weiter gehen!

und dann waren auch noch zwei Frauen…weg

Zum Jahresende sind zudem personelle Veränderungen zu vermelden. Auf Seiten der Stadtbüchereien Düsseldorf wird der Verantwortungsbereich „Betreuung der Lesepaten“ nicht mehr von Frau Martina Leschner verantwortet. Wir freuen uns, dass Frau Michaela Hutzheimer uns, vorerst kommissarisch, weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen wird. Zum Januar 2019 wird Frau Brigitte Skubinna ihre Arbeit als Vorsitzende unseres Netzwerkes beenden. Auch hier sind wir sehr froh, Frau Martina Biermann weiterhin als kompetenten Ansprechpartner empfehlen zu können.

Mit folgender kleinen Geschichte zum Vorlesen und Selberlesen wünschen wir Ihnen nun frohe und besinnliche Festtage und ein gutes, neues Jahr.

Worüber das Christkind lächeln musste

Als Josef mit Maria von Nazareth her unterwegs war, um in Bethlehem anzugeben, dass er von David abstamme, was die Obrigkeit so gut wie unsereins hätte wissen können, weil es ja längst geschrieben stand - um jene Zeit also kam der Engel Gabriel heimlich noch einmal vom Himmel herab, um im Stalle nach dem Rechten zu sehen. Es war ja sogar für einen Erzengel in seiner Erleuchtung schwer zu begreifen, warum es nun der allererbärmlichste Stall sein musste, in dem der Herr zur Welt kommen sollte, und seine Wiege nichts weiter als eine Futterkrippe. Aber Gabriel wollte wenigstens noch den Winden gebieten, dass sie nicht gar zu grob durch die Ritzen pfiffen, und die Wolken am Himmel sollten nicht gleich wieder in Rührung zerfließen und das Kind mit ihren Tränen überschütten, und was das Licht in der Laterne betraf, so musste man ihm noch einmal einschärfen, nur bescheiden zu leuchten und nicht etwa zu blenden und zu glänzen wie der Weihnachtsstern. Der Erzengel stöberte auch alles kleine Getier aus dem Stall, die Ameisen und Spinnen und die Mäuse, es war nicht auszudenken, was geschehen konnte, wenn sich die Mutter Maria vielleicht vorzeitig über eine Maus entsetzte! Nur Esel und Ochs durften bleiben, der Esel, weil man ihn später ohnehin für die Flucht nach Ägypten zur Hand haben musste, und der Ochs, weil er so riesengroß und so faul war, dass ihn alle Heerscharen des Himmels nicht hätten von der Stelle bringen können.

Zuletzt verteilte Gabriel noch eine Schar Engelchen im Stall herum auf den Dachsparren, es waren solche von der feinen Art, die fast nur aus Kopf und Flügeln bestehen. Sie sollten ja auch bloß still sitzen und achthaben und sogleich Bescheid geben, wenn dem Kinde in seiner nackten Armut etwas Böses drohte. Noch ein Blick in die Runde, dann hob der Mächtige seine Schwingen und rauschte davon. Gut so. Aber nicht ganz gut, denn es saß noch ein Floh auf dem Boden der Krippe in der Streu und schlief. Dieses winzige Scheusal war dem Engel Gabriel entgangen, versteht sich, wann hatte auch ein Erzengel je mit Flöhen zu tun!

Als nun das Wunder geschehen war, und das Kind lag leibhaftig auf dem Stroh, so voller Liebreiz und so rührend arm, da hielten es die Engel unterm Dach nicht mehr aus vor Entzücken, sie umschwirrten die Krippe wie ein Flug Tauben. Etliche fächelten dem Knaben balsamische Düfte zu, und die anderen zupften und zogen das Stroh zurecht, damit ihn ja kein Hälmchen drücken oder zwicken möchte.

Bei diesem Geraschel erwachte aber der Floh in der Streu. Es wurde ihm gleich himmelangst, weil er dachte, es sei jemand hinter ihm her, wie gewöhnlich. Er fuhr in der Krippe herum und versuchte alle seine Künste, und schließlich, in der äußersten Not, schlüpfte er dem göttlichen Kinde ins Ohr. »Vergib mir!« flüsterte der atemlose Floh. »Aber ich kann nicht anders, sie bringen mich um, wenn sie mich erwischen. Ich verschwinde gleich wieder, göttliche Gnaden, lass mich nur sehen, wie!« Er äugte also umher und hatte auch gleich seinen Plan. »Höre zu«, sagte er, »wenn ich alle Kraft zusammennehme, und wenn du stille hältst, dann könnte ich vielleicht die Glatze des Heiligen Josef erreichen, und von dort weg kriege ich das Fensterkreuz und die Tür . »Spring nur!« sagte das Jesuskind unhörbar. »Ich halte still!« Und da sprang der Floh. Aber es ließ sich nicht vermeiden, dass er das Kind ein wenig kitzelte, als er sich zurechtrückte und die Beine unter den Bauch zog. In diesem Augenblick rüttelte die Mutter Gottes ihren Gemahl aus dem Schlaf.

»Ach, sieh doch!« sagte Maria selig. »Es lächelt schon!«

Eine Geschichte von Karl Heinrich Waggerl
Zu finden in dem Buch „Weihnachtsgeschichten“  von Anne Braun  ISBN: 3-401-07083-5

 

Brigitte Skubinna und Martina Biermann
Vorsitzende „Düsseldorf liest vor